Eine sprachliche und landeskundliche Reise durch Armenien

Datum/Zeit
Date(s) - 16.11.2019
10:00 - 16:00

Veranstaltungsort
Volkshochschule Erlangen


Samstag 16. 11. 2019, 10 bis 16 Uhr
VHS, Friedrichstraße 17, Raum 20

Dozentin: Astghik Mantashyan

Astghik Mantashyan, Armenierin aus Dilidschan (nördliche Provinz Tavusch), Politologin und Germanistin, frühere Mitarbeiterin im armenischen Parlament, seit 2014 in Erlangen, heute im Büro für Vielfalt, Chancengleichheit und internationale Beziehungen der Stadt Erlangen tätig.

Frei nach ihrer Devise „Ein Stück Armenien überallhin mitnehmen“ vermittelte Astghik Mantashyan, kenntnisreich und charmant, Grundzüge der Historie, Sprache und Kultur der jungen, kleinen Republik Armenien. Weltoffen und anpassungsfähig, seien Armenier(innen) doch dafür bekannt, dass sie ihre kulturelle und nationale Identität, ihre religiöse und familiäre Bindung auch in der Fremde zu wahren suchen – mit ein Grund für die Kraft der armenischen Diaspora in aller Welt. Heute leben rd. 9 Mio. Armenier im Ausland, und 3. Mio. im eigenen Land.

Der Kurs begann mit einigen wichtigen Daten und Zäsuren der armenischen Geschichte. Die Erstbesiedlung am Fuß des Ararat im Kaukasus reicht in die Zeit vor 3000 Jahren zurück. Auf das Großarmenische Reich (Urartu, 9. – 7. Jh.) folgen kleine armenische Reiche, in denen es zur frühen Christianisierung (301) und zur Entwicklung der Schrift (5. Jh.) kommt. Indes bringen die stete Bedrohung und Vereinnahmung durch fremde Mächte und Ethnien die Zersplitterung in Ost- und Westarmenien mit sich und damit ab dem 10. Jh. die Entstehung der armenischen Diaspora. Fremdherrschaft, Migration, Verfolgung, Vertreibung, Exil bis hin zum Trauma des Genozids (1915) gehören zu den historischen Grunderfahrungen des armenischen Volkes. Nachdem Armenien zuletzt zum sowjetischen Machtbereich gehört hat (seit 1922), ist es 1991 eine auf sich gestellte Republik geworden.

Weiter ging Mantashyan auf die tradierte Kultur ein, die Armenien so faszinierend und besonders macht. Zentral ist hierfür der Einfluss der armenisch-apostolischen Kirche, einer der ältesten der Christenheit, mit eigenem Oberhaupt, – bis heute im Land sichtbar in zahlreichen alten Kloster- und Kirchenbauten wie auch in zehntausenden Kreuzsteinen (Chatschkar), einzigartigen, im Freien stehenden Symbolen dieses christlichen Glaubens. Genauso elementar sind Sprache und Schrift (ausgearbeitet von Masrop Maschtot aus Oschakan, Ende des 4. Jh.), in ihrer Komplexität früh entwickelt und stabil aufrechterhalten. Man unterscheidet heute zwischen Altarmenisch (Grabar), der liturgischen Sprache, Ostarmenisch, der Amtssprache, und Westarmenisch, der Sprache des Exils und der Diaspora (USA, Frankreich, Türkei, Russland, Naher und Mittlerer Osten). Ferner wichtig ist die armenische Musik als sakrale Vokal- wie auch als säkulare Instrumentalmusik. Beider Symbiose hat wie kein anderer der Priester-Komponist Vardapet Komitas (1863 – 1935) bekannt gemacht, mittels Feldforschungen, Kompositionen und Arrangements auf Basis überlieferter Weisen.

Was wurde noch angesprochen, vertieft und diskutiert: Familienleben, Familiensolidarität als Sozialversicherung, Hauptlast der Fürsorgeverpflichtung tragen aber die Frauen; Vereinbarkeit von Familie und Beruf; Verhältnis junge und alte Generation; Bildungsorientierung, Schulwesen, Schulpflicht, Verteilung von Hochschulen, Zulassung zum Studium, Chancengleichheit; medizinische Versorgung. Zum Schluss ging es um die Besonderheiten und Feinheiten der armenischen Küche (wie das nationale Brot „Lavasch“, was nicht verdirbt; die Verwendung frischer Kräuter, um Deftiges wie Chorovats, Kebab etc.), ebenso um die Herstellung des berühmten armenischen Cognacs „Ararat“, je älter desto besser, und den Weinbau im Ararattal, v.a. in Areni, einen der ältesten der Welt (vor 6000 Jahren).

Die Abschlussrunde wünschte sich einvernehmlich eine Fortsetzung des Kurses, wobei die Wünsche geteilt waren, während die eine Hälfte für eine praktische Vertiefung der armenischen Küche votiert, also für gemeinsames Kochen, wünscht sich die andere eine Vertiefung der Kenntnisse von Sprache und Schrift.